Neuanfang nach 1945

Die Entstehung der Schillerhöhe und des Märkischen Viertels

Die große Bedeutung des sozialen Wohungsbaus

Der Zweite Weltkrieg ist vorbei – und damit der Großteil Berlins zerstört. Über 500.000 Wohnungen liegen in Schutt und Asche, darunter die Wohnhäuser der GESOBAU in Schöneberg. Die Versorgung der Berliner mit Wohnraum hat nun oberste Priorität, denn in den ersten Nachkriegsjahren nimmt die Bevölkerung Berlins durch Flüchtlinge und Kriegsheimkehrer wieder erheblich zu. Der Senat setzt bei seiner Wohnungspolitik hauptsächlich auf den sozialen Wohnungsbau, um die Versorgung aller Einkommensschichten mit Wohnungen sicherzustellen. Hier sind nun vor allem die großen städtischen Wohnungsbaugesellschaften gefragt, zu denen auch die GESOBAU gehört. 1949 wird so aus der „Aktiengesellschaft für Bahnen und Tiefbauten“ die „Gesellschaft für sozialen Wohnungsbau gemeinnützige Aktiengesellschaft“ (GeSoBau) – zunächst jedoch als Tochterunternehmen unter dem Dach der ebenfalls städtischen degewo.

Wohnungsbau-Wettlauf

Mit den 50er Jahren beginnt ein regelrechter Wettlauf im Wohnungsbau. Insgesamt werden bis 1961 in West-Berlin über 200.000 neue Wohnungen fertig gestellt, davon 90% Sozialwohnungen. Im Ostteil der Stadt zeugt vor allem die damalige Stalinallee vom Städtebau dieser Zeit. Die Wohnsituation entspannt sich durch den raschen Neubau langsam, allein der Wohnungsbestand der damals noch rein West-Berliner GESOBAU erhöht sich bis 1961 von 349 auf 2.187 Wohnungen. Die Weddinger Schillerhöhe stellt dabei das erste große Neubauprojekt der GESOBAU dar.

Gründungszeit der Schillerhöhe, Berlin Wedding

 

Die Schillerhöhe als erstes Großprojekt der GESOBAU

Gebaut wird das Viertel 1955 aber durch die degewo, zu der die GESOBAU zu diesem Zeitpunkt noch gehört. Über 2.000 Wohnungen entstehen in unmittelbarer Nähe des Schillerparks auf der Grundlage eines Architekturwettbewerbs. Wie begehrt die Wohnungen sind, zeigt die Tatsache, dass schon 1953 mehr Bewerbungen für die sich noch in Planung befindlichen Wohnungen vorliegen als tatsächlich errichtet werden sollen. Seit 1958 übernimmt die GESOBAU nach und nach Teile der Schillerhöhe von der degewo. Bald bietet das Viertel seinen Bewohnern von einem Hallen- und Freibad bis zu eigenen Mietergärten zeitgemäßen Komfort und erfreut sich großer Beliebtheit bei den Bewohnern in West-Berlin.

Die Entstehung des Märkischen Viertels

Trotz des sich langsam entspannenden Wohnungsmarkts gibt es viele Gebiete, die bisher städtebaulich noch gar nicht erschlossen sind. Etwa das wild besiedelte Laubenpieper-Gelände in Wittenau im Norden Berlins an der Grenze zu Pankow – heute als das Märkische Viertel bekannt. Auch diese Gebiete sollen nun mit einbezogen werden, „Urbanisierung“ heißt das neue Stichwort. Das durchaus ambitionierte Ziel lautet: Wohnraum für Tausende schaffen und gleichzeitig architektonische Zeichen setzen. 1962 wird die GESOBAU als Sanierungsträger des Märkischen Viertels beauftragt – eines der wohl ambitioniertesten Wohnungsbauprojekte in ganz Deutschland. Der Stadtteil soll als beispielhaft, modern und zukunftsweisend gelten. 1974 sind die Bauarbeiten abgeschlossen: Auf einem 385 Hektar großen Areal ist ein neuer Stadtteil mit knapp 17.000 Wohnungen für rund 50.000 Menschen entstanden.

Märkisches Viertel


Die öffentliche Meinung im Wandel
1968 kippt jedoch die öffentliche Meinung zum modernen Wohnungsbau dieser Art. Eine Gruppe jüngerer Architekten veranstaltet eine Sonderausstellung zum Thema „Stadtsanierung“, auf der sich das Märkische Viertel vernichtender Kritik unterziehen muss. Zwei Jahre später erreicht die Debatte schließlich ihren Höhepunkt und leitet ein Umdenken bei Politikern, Wohnungsbaugesellschaften und Stadtplanern ein. Die GESOBAU, der Bezirk und das Land reagieren mit umfassenden Maßnahmen im Wohnumfeld und in der Belegungspolitik der Siedlung.